Wir über uns
Nach vielen Entbehrungen war in den 50er Jahren im Zeichen des wirtschaftlichen und kulturellen Aufschwungs in der Musikwissenschaft Die Stunde der Gesamtausgabe gekommen (so der Titel eines 1956 gedruckten programmatischen Aufsatzes des Verlegers Karl Vötterle): Es wurden die Arbeiten an der Neuen Bach-Ausgabe (1951), der Neuen Mozart-Ausgabe (1953), der Haydn-Gesamtausgabe (1955) und der Beethoven-Gesamtausgabe (1959) aufgenommen. Bis in die 50er Jahre reichen auch die Vorüberlegungen zu einer Neuen Schubert-Ausgabe zurück, doch erst auf Initiative von Wolfgang Rehm nahmen die Pläne konkrete Gestalt an: So beginnt die Geschichte der Neuen Schubert-Ausgabe am 19. November 1963, Franz Schuberts 135. Todestag, mit der Gründung der Internationalen Schubert-Gesellschaft, deren Vorsitz Walter Gerstenberg übernahm; Otto Erich Deutsch, der Nestor der Schubert-Forschung, wurde zum Ehrenpräsidenten gewählt. Alleinige Aufgabe des Gesellschaft ist es, die Herausgabe sämtlicher Werke Franz Schuberts zu ermöglichen. Sie hat dazu eine Redaktion (Editionsleitung) installiert, für die Räumlichkeiten im Musikwissenschaftlichen Institut der Universität Tübingen zur Verfügung gestellt wurden; die verlegerische Betreuung liegt beim Bärenreiter-Verlag (Kassel). Gleichzeitig wurde auch eine Arbeitsstelle in Wien etabliert – in den Bibliotheken dieser Musikstadt liegt die Mehrzahl aller relevanten Quellen –, die an der Österreichischen Akademie der Wissenschaften beheimatet ist.
Die Neue Schubert-Ausgabe wurde zunächst von der Stiftung Volkswagenwerk (Hannover) gefördert, die eine sogenannte Anschubfinanzierung für fünf Jahre gewährte und dem Projekt noch bis 1979 verbunden blieb. Von österreichischer Seite beteiligte sich an der Finanzierung von Anfang an das Bundesministerium für Wissenschaft und Verkehr, 1967 kam die Stadt Wien hinzu, und im Schubert-Jahr 1978 trat auch die Österreichische Akademie der Wissenschaften (Wien) in den Kreis der Subventionsgeber ein. 1979 wurde die Neue Schubert-Ausgabe in das sogenannte Akademienprogramm der Konferenz (seit 1999: Union) der deutschen Akademien der Wissenschaften, vertreten durch die Akademie der Wissenschaften und der Literatur (Mainz), aufgenommen. Sie wird seitdem durch Mittel der Bundesrepublik Deutschland, des Landes Baden-Württemberg, der Republik Österreich, der Stadt Wien und der Österreichischen Akademie der Wissenschaften finanziert.
Die Arbeit an der Neuen Schubert-Ausgabe wurde im Frühjahr 1965 von Walther Dürr und Arnold Feil (Tübingen) sowie Christa Landon (Wien) begonnen. Der erste Band (Sinfonien I) konnte – verbunden mit einem Festakt – am 29. Januar 1968 in Wien der Öffentlichkeit präsentiert werden. Von den 83 geplanten numerischen Bänden sind seither 58 Bände sowie 1 Teilband erschienen (Stand: September 2010), mit deren Herausgabe auch externe Mitarbeiter beauftragt wurden. Von den Kritischen Berichten (geplant sind 77 Bände) sind bisher 46 Bände erschienen. Nach dem derzeitigen Planungsstand wird das Projekt voraussichtlich im Jahre 2016 abgeschlossen sein.
Mit den ersten Bänden wurden die Editionsrichtlinien der Neuen Schubert-Ausgabe erarbeitet. Sie liegen heute in einer 5. Fassung (1993) vor und sind auch gedruckt erschienen: Editionsrichtlinien Musik, im Auftrag der Fachgruppe Freie Forschungsinstitute in der Gesellschaft für Musikforschung herausgegeben von Bernhard R. Appel und Joachim Veit, Kassel 2000 (= Musikwissenschaftliche Arbeiten Bd. 30), S. 287–304.

